Warum wird in der TCM so viel gekocht?

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Warum wird in der TCM so viel gekocht?

Warum wird in der TCM-Küche soviel gekocht?

 

Eines der Hauptmerkmale der TCM-Küche ist, dass sehr viel gekocht wird. Aber warum ist das so? Gerade bei VerfechterInnen der Rohkost-Ernährung sorgt das immer wieder für große Verwunderung. In diesem Blogpost möchte ich Ihnen erklären, warum kochen laut der TCM doch manchmal besser ist, als Lebensmittel roh zu verzehren.

 

Rohkost vs. Kochen: Was passiert mit dem Vitamingehalt?

Es wird ja häufig gepredigt, Lebensmittel möglichst roh zu verzehren, da so am meisten Vitamine erhalten bleiben. Die TCM ist da anderer Meinung. Warum? Damit unser Körper rohe Lebensmittel verarbeiten kann, muss er zunächst einiges an Energie dafür aufwenden.

Im asiatischen Raum würde niemand unnötige Energie (also Körperenergie, die zuerst ja aufgebaut werden muss) verschwenden, um rohes Gemüse oder Obst im Mittleren Erwärmer zu „erwärmen“ und sie auf diese Weise verdaulich zu machen.

Und auch unser „westliches“ Vitaminargument zählt hier nicht: In Rohkost verpackte Vitamine können nämlich nicht aufgenommen und verwertet werden (bzw. nur zu einem Bruchteil aus sonnengereiftem Obst oder Gemüse – was ja bei uns leider nur selten angeboten wird). Mittlerweile ist es sogar schon erwiesen, dass z.B. Vitamin A aus gekochten Karotten besser aufgenommen wird als aus rohen Karotten –und das ist nur eines von vielen Beispielen.

 

Der Vitamingehalt allein ist nicht alles!

Bei schonenden Zubereitungsmethoden wie Dünsten bzw. kurzem Garen von Gemüse reduziert sich zwar der Vitamingehalt ein wenig – der verbleibende Rest an Vitaminen wird jedoch viel besser aufgenommen. Und zwar bei gleichzeitiger Schonung vom Verdauungsfeuer bzw. Stoffwechsel! Da kann man doch gerne über den etwas reduzierten Vitamingehalt hinwegsehen.

Ähnlich verhält es sich bei Obst: durch das Kochen zu Kompott oder Mus wird der natürliche Reifeprozess nachgeahmt und das Obst wird leichter verdaulich. Wer auf Obst leicht mit Blähungen reagiert, sollte mal eine Woche lang Obst und Gemüse nur gekocht essen – die Blähungen werden der Vergangenheit angehören!

 

Gekochtes Essen zuliebe der Verdauung

Gekochtes Essen ist grundsätzlich bekömmlicher für unser Verdauungssystem, als „kalte“ Jausen mit Brot und Aufschnitt/Käse und Co (ja, auch LowCarb-Brote sind damit gemeint).

Daher ist meine Empfehlung, (LowCarb-)Brote z.B. zu Suppen oder Eintöpfen als „Beilage“ zu essen: mit oder ohne Butter – wie man möchte bzw. es braucht. Eine andere Möglichkeit wäre es, eine Tasse Kraftsuppe (mit Schnittlauch oder Petersilie) zu einem „kalten/trockenen“ Brotgericht dazu zu trinken.

Achtung: Eine Tasse Tee oder ein Glas Wasser eignet sich nicht dafür, eine Speise „suppig“ zu machen.

 

Geheimtipp Kraftsuppen

Apropos Suppen: Ein wahres „Wundermittel“ ist die Kraftsuppe. Sie soll, wie ihr Name schon vermuten lässt, Kraft verleihen, also viel Energie liefern! Das schafft sie nur, wenn sie lange (4, 8, 10 oder länger Stunden) köcheln durfte. Die Wärmeenergie der Zubereitung wird der Suppe zugeführt. Sie unterscheidet sich daher signifikant von kurzgekochten „Schnellsuppen“. Bitte gerne ausprobieren: Lassen Sie eine Hühnersuppe 1h kochen und kosten Sie diese Suppe während der Rest weitere 3-4h köcheln darf. Sie merken den Unterschied bestimmt sofort!

 

Kraftsuppen bitte erst nach Krankheiten!

Lange gekochte Kraftsuppen werden in der TCM empfohlen, um Energieschwäche, Müdigkeit, Erschöpfung und Schweregefühl zu beseitigen. Hühnersuppe z.B. wird quer über den Erdball in fast allen Kulturen als „Medizin“ zur Regeneration nach Krankheiten oder bei Schwächezuständen empfohlen (NICHT während Krankheiten: Sie würde so nämlich z.B. einen Infekt nähren/verstärken. Daher also bitte wirklich erst danach!).

Hier finden Sie mein Rezept für Hühnerkraftsuppe

 

Kaltes Kochen in der TCM

In der TCM kennt man aber nicht nur das Kochen mit Hitze oder Wasser, sondern auch das „kalte Kochen“ durch Keimen, Milchsäurevergärung (Sauerkraut z.B.), Essiggärung, alkoholische Gärung oder Fermentation.

Durch diese Methoden können Lebensmittel bekömmlich und dadurch aufnehmbar gemacht werden und gleichzeitig das Verdauungsfeuer geschont werden. Der Enzymgehalt der „kalt gekochten“ Speisen stellt ihren eigentlichen Wert dar. Wir benötigen für die Steuerung aller Stoffwechsel- und Verdauungsprozesse Enzyme. Diese werden aber bei 40°C zerstört, weswegen der Enzymgehalt bei pasteurisierten oder sterilisierten Sauerkonserven bzw. Getränken verloren geht. Rohe, nicht erhitzte vergorene/fermentierte Lebensmittel enthalten also noch die wertvollen Enzyme!

 

Vergessenes altes Wissen

Auch dieses Wissen ist in der europäischen Küche schon lange verankert: Es war üblich, zu Hauptspeisen als gesunde Dekoration kleine Mengen milchsauer vergorenes Gemüse (Pustasalat, Essiggurkerl….) zu servieren, frische gehackte Kräuter auf Beilagen oder Suppe zu geben, Speisen mit Essig abzuschmecken oder zu ergänzen (kleine Menge Salat zum Essen dazu, nicht davor), scharfe enzymreiche Gemüse zu Schwerverdaulichem zu reichen (Kren/Meerrettich zu fettem Fleisch z.B.), oder Zitronenscheiben zu fettgebackenem Schnitzel zu servieren…

Diese Traditionen wurden erst in den letzten Jahrzehnten „vergessen“ oder durch Tomaten/Gurken/Salatblatt-Deko (ohne positiver Wirkung auf den Unteren Erwärmer oder die Darmflora) am Teller ersetzt.

 

Und was ist mit der Mikrowelle und Tiefgefrorenem?

Noch ein paar Worte zu Mikrowelle und Tiefgefrieren aus der Sicht der TCM: Beide Verfahren haben eine ungünstige Wirkung auf unsere Lebensmittel. Die räumlichen Anordnungen komplexer Eiweißmoleküle (die Wasserstoffbrücken) werden durch beide Verfahren verändert. Dies erschwert die Arbeit der Verdauungsenzyme und führt zu einer verminderten Ausbeute von Nahrungsenergie. Man merkt das nicht nur an Verdauungsproblemen wie Blähungen, sondern auch daran, dass Lebensmittel Geschmack, zum Teil Konsistenz und auch Farbe verliere. Folge: Das wichtige Yang der Lebensmittel wird zerstört.

Meine persönliche Empfehlung: Mikrowelle meiden und sowenig wie möglich TK-Lebensmittel verwenden. Man sollte, wenn nötig, pro Speise nur eine Zutat aus der TK verwenden: also Fleisch ODER Gemüse ODER Beilage ODER Obst. Kräuter und Gewürze bitte immer frisch und in größeren Mengen verwenden, wenn TK-Essen gereicht wird.

 

Selbstversuch

Auch hier gerne einen Selbstversuch durchführen: Bereiten Sie eine gute vollständige Speise (ohne TK-Zutaten) in doppelter Portion zu. Eine Portion frieren Sie komplett ein und verzehren diese ein paar Tage später. Beobachten Sie wie fit Sie nach der frisch zubereiteten Speise sind und wie Sie dann auf die TK-Speise reagieren – Müdigkeit? Mangelnde Konzentration? Völlegefühl? Blähungen?

 

 


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